4. Von der Wachstumsideologie zu inklusiver Wirtschaft und menschenwürdiger Arbeit?

Eigentlich ist der Gedanke, dass exponentielles wirtschaftliches Wachstum nicht endlos sein kann und Wachstum einem gemeinnützigen Ziel dienen muss, in keiner Weise neu und zudem naheliegend. Beunruhigend ist die allgemeine Distanz zu dieser Selbstverständlichkeit.

Wachstum führe nicht zu Nachhaltigkeit, sondern erhöhe – wie die abnehmende Verfügbarkeit von Rohstoffen und Energieträgern – den Wachstumsdruck, stellt Meadows über 40 Jahre nach der Veröffentlichung der Grenzen des Wachstums fest. Es gehe in einer Zeit, wo die planetarische Tragfähigkeit in verschiedenen Bereichen deutlich überschritten ist, eher darum, den Umweltverbrauch friedlich, gerecht und ohne große Schädigungen zu reduzieren und die Resilienz von Gesellschaften zu erhöhen.

Wie soll man zu einer ökonomischen Wissenschaft stehen, der es fast ausnahmslos darum geht, wie (möglichst schnelles und dauerhaftes) Wachstum erreicht werden kann? Positive Wachstumsraten sind zum kaum noch hinterfragten allgemeinen Wert geworden. Für glaubwürdige Ansätze einer inklusiven Green Economy oder für qualitative Wachstumsstrategien fehlen die – auch von der Bundesregierung für notwendig gehaltenen – allgemein akzeptierten Indikatoren, die eine Zielsetzung und Wahrnehmung überhaupt erst ermöglichen. Immerhin ruft das UN-High-Level Panel zur Vorbereitung der Post-2015 Agenda im dritten seiner fünf Leitideen dazu auf, „nicht mehr auf Wachstum um jeden Preis zu setzen.“ Wachstum soll nach diesen Rahmenvorgaben künftig vielmehr darauf ausgerichtet werden, „dass mehr und gute Arbeitsplätze, insbesondere für Jugendliche entstehen.“[1]

Angesichts einer wieder aufflammenden wachstumskritischen Debatte und ihrer zunehmend stärkeren Verankerung in der Wissenschaft (z.B. Vereinigung für Ökonomische Ökologie) verwundert es, dass die Degrowth oder Décroissance Bewegung noch nicht stärker die BNE-Szene erreicht hat.

Der Schritt vom Wachstumszwang zu qualitativem und selektivem Wachstum erscheint so groß, dass der Glaube fehlt, es könnte dazu eine konkrete Zielvereinbarung in der Post-2015 Agenda geben. Die Herausforderung an das Globale Lernen besteht darin, das scheinbar Ungeheuere wieder breiter ins Gespräch zu bringen und im Orientierungsrahmen der Nachhaltigkeit konsequent danach zu fragen, wie Wachstum zur Zukunftsfähigkeit beitragen kann, d.h. zu sozialer Gerechtigkeit, zu Good Governance und zum Erhalt der Umwelt – wohl wissend, dass es eine solche gezielte Transformation durch einen gesellschaftlichen Lernprozess noch nie gegeben hat.

 

[1] siehe Fußnote 11