7. Globales Lernen ohne Bildung für Alle? – Bildung für Alle ohne Globales Lernen?

Asit Datta und Gregor Lang-Wojtassik haben in der Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik (ZEP) die berechtigte Frage aufgeworfen „Globales Lernen ohne Bildung für alle?“[1] – ohne eine reale Umsetzung der Schulpflicht, ohne wirkungsvolle Alphabetisierung und Geschlechtergerechtigkeit, ohne eine ausreichende Zahl an Lehrkräften und Klassenzimmern, ohne Widerstand gegen Diskriminierung und Misshandlung, ohne selbstverständlichen Übergang in eine Sekundarbildung, ohne das in der Allgemeinen Erklärung der Menschrechte garantierte Recht auf Bildung und ohne ein deutliches Engagement gegen Bildungsbenachteiligung hierzulande. Haben Menschen, die von Transferleistungen abhängig sind, überhaupt ein Interesse an Fragen der nachhaltigen Entwicklung oder berührt das nur jene, die „über die finanziellen Möglichkeiten … verfügen, z.B. über den Kauf fair gehandelter Produkte im Globalen Norden einen Beitrag zu einer anderen Globalisierung zu leisten“?

Die Frage „Globales Lernen ohne Bildung für alle?“ sollte durch ihre Umkehr ergänzt werden: „Wollen wir eine Bildung für alle ohne Globales Lernen?“ Nachhaltige Entwicklung ist in der Bildung eher Orientierung als konkrete normative Vorgabe, und Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet in jeder Lebenslage etwas anderes. Für viele Marginalisierte ist es selbstverständlich als Teil des täglichen Überlebens zukunftsfähig zu handeln. Globales Lernen/ BNE sind Qualitätsmerkmale von Bildung, die nicht einer bildungsaffinen Mittelschicht vorbehalten sind.

Globales Lernen ohne Bildung für Alle? – Bildung für Alle ohne Globales Lernen?Zwei rhetorische Fragen, die nicht grundsätzlich sondern mit dem Wie? zu beantworten sind. Die Post-2015 Agenda bietet die Möglichkeit, näher zu verbinden was in vielen Köpfen offensichtlich noch getrennt ist.

Es geht um eine integrative Bildungsstrategie. Globales Lernen /BNE haben sich in den letzten 10 Jahren als sehr wesentlich für die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung erwiesen. Lernprozesse im Rahmen der BNE sind als Wegbereiter für alle Bereiche und Leitbilddimensionen zukünftiger Entwicklung und für alle Akteure von grundlegender Bedeutung. Die Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) einer künftigen Globalen Entwicklungsagenda erfordert kohärente Lernstrategien. Neben der Integration von Globalem Lernen sowie des BNE-Weltaktionsprogramms in die Entwicklungsdimension „Soziales“ einer Post-2015 Agenda und entsprechender Indikatoren bedarf es eines übergreifenden Bewusstseins, dass erweiterte qualitative Bildungsziele Voraussetzung sind für einen breiten transformativen Prozess hin zu einer zukunftsfähigen Entwicklung. Dieses Bildungsverständnis muss einer künftigen Globalen Entwicklungsagenda zu Grunde liegen und in entsprechenden Dokumenten wirkungsvoll verankert werden.

 

[1] A. Datta, G. Lang-Wojtasik: Bildung für die Welt im Jahr 2050. ZEP 3/2013, S. 4-10