6. Friedenspädagogik als Lernprozess gegen Krieg, Terrorismus, Gewalt, Rassismus und Flucht?

Jeder gewaltsame Konflikt und Krieg ist ein Beleg dafür, dass unsere globalen Präventionsstra-tegien nicht funktionieren, dass politische Maßnahmen zu spät kommen und dass es kein ausreichendes öffentliches Bewusstsein für das Konfliktpotential gab, um rechtzeitig auf politische Entscheidungsträger einzuwirken. In unseren Entwicklungskonzepten kommt Krieg oft nur ansatzweise in seinen Ursachen vor und wird nur begrenzt in seiner verheerenden Wirkung auf Entwicklungsziele wahrgenommen. Umso erfreulicher ist es, dass in den fünf Leitideen der von den Vereinten Nationen für die Post-2015 Agenda vorgegebenen Leitideen „Frieden und verlässliche Institutionen“ Eingang finden.

Vom VENRO mitentwickelte Konzepte der BNE und des Globalen Lernens haben seit Beginn der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ein Leitbild der Nachhaltigkeit vertreten, das neben Ökonomie – Ökologie – Sozialem auch die Zieldimension der demokratischen Politikgestaltung enthält. Sie gilt es, bei der Analyse des globalen Wandels und der Bewertung von Entwicklungsvorhaben konsequenter in den Blick zu nehmen, um den in den Vereinten Nationen vereinbarten Grundsatz einer globalen Schutzverantwortung nachzukommen – allerdings möglichst weit im Vorfeld notwendiger militärischer Einsätze. Maßnahmen und Bildungsprogramme zur Konfliktprävention und zum Friedenserhalt, wie sie von der Menschenrechtsorganisation Peace Brigades International und anderen in Konfliktregionen durchgeführt werden, sind auch für das Globale Lernen in Friedensregionen wichtige Impulsgeber.

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung ermittelte für 2013 mit 221 gewaltsamen Konflikten (von denen 20 als Kriege und 25 als begrenzte Kriege eingestuft werden) die höchste Zahl je beobachteter gewalttätiger Auseinandersetzungen. Die Abnahme zwischenstaatlicher Kriege wird durch die Zunahme innerstaatlicher und sogenannter Neuer Kriege übertroffen. Solche Konflikte machen nicht nur nachhaltige Entwicklung dauerhaft unmöglich, sondern sind auch wesentlich dafür verantwortlich, dass sich (nach Angaben des UNHCR) derzeit weltweit über 45 Millionen Menschen auf der Flucht befinden (Flüchtlinge und Binnenvertriebene) und dass sich die Lage in den meisten Auffangregionen verschärft.

Auch Konflikte scheinen sich im globalen Wandel zu beschleunigen und zu verschärfen. In einer globalisierten Welt sind grundsätzlich auch die Ursachen und die Verantwortung für gewaltsame Konflikte und Kriege eine Herausforderung für alle und das nicht nur als humanitäre Aufgabe. Gewiss, in sehr unterschiedlicher Weise, die nur selbstbestimmt durch grundlegende (informelle und formelle) Lernprozesse erschlossen und angenommen werden kann.

Die Zivilgesellschaft muss alle Möglichkeiten einer angemessenen Berücksichtigung von Gewaltprävention und Friedenssicherung in einer Post-2015 Agenda wahrnehmen. Die vorherrschende Tendenz, Kriegen und drohenden gewaltsamen Konflikten nicht multilateral sondern im Modus einflussreicher Großmächte zu begegnen sowie die noch sehr allgemeinen und unvollständigen Formulierungen entsprechender Post-2015 Agenda Ziele[1] verstärken den Eindruck der Dringlichkeit. Das gilt insbesondere auch für die Weiterentwicklung einer Global Gorvernance durch die Stärkung internationaler Institutionen.

 

[1] siehe Nr. 16 der SDG Ziele des Zero Draft der Open Working Group http://sustainabledevelopment.un.org/focussdgs.html