2. Wie kann die Akzeptanz für zukunftsfähige Veränderungsprozesse in der eigenen Gesellschaft erhöht werden – Lehrende und Lernende als „change agents“?

Im Zusammenhang mit den vor uns liegenden Herausforderungen wachsender Ungleichheiten in unserer Gesellschaft, schwerwiegender Umweltveränderungen wie globaler Erwärmung und des oft rücksichtslosen Wettrennens um natürliche Ressourcen sowie einer Kommerzialisierung, die vor nichts Halt macht, einer zunehmenden Zahl an Kriegen, Menschrechtsverletzungen und der Vielzahl erkennbarer Zukunftsgefahren sollte die Akzeptanz zukunftsfähiger Veränderungsprozesse ausgemachte Sache sein – ist sie aber nicht, wie wir wissen!

Wir stehen vor der Herausforderung, zukunftsfähige Veränderungen nicht (nur) in schweren Krisen, auf Grund von Schocks und Katastrophen einzuleiten, sondern weil wir (in der Tradition der Aufklärung) an unsere Lernbereitschaft und Lernfähigkeit glauben. Das schließt Rückschläge und Enttäuschungen als wichtige Erfahrungen im Lernprozess ein.

Bildung erhält in der Post-2015 Agenda zunehmend die Aufgabe der gesellschaftlichen Transformation zugeschrieben. Das ist nur fair und realistisch, wenn dabei nicht nur an schulische Bildung gedacht wird und sich alle in den transformativen Lernprozess einbeziehen. Anstatt eines Expertenkults brauchen wir eine Kultur des Lernens, in der die am meisten überzeugen, die selbstkritisch (und ohne damit zu kokettieren) Fehler eingestehen und Lernfortschritte an sich selber erkennen – auch, oder vielleicht gerade, in Politik und unter Entscheidungsträgern. Lehrerende und Lernende tun nicht das Selbe wohl aber (manchmal) das Gleiche. Jemand, der sich als Lernender an der Komplexität der nahen und fernen Lebenswelt und der Nachhaltigkeit seines Handelns abarbeitet, wird zum change agent einer lebenswerten Zukunft und wird Freude daran haben.

Bei den vielen didaktischen Umsetzungsmöglichkeiten geht es vor allem um die Grundhaltung der kritischen Offenheit, die Perspektivenwechsel und Perspektivenübernahme ermöglicht – aber auch um Empathie und den bewussten Einsatz von Emotionen bei dem, was wir als nachhaltiges Handeln ausgemacht haben.

Der von der UNESCO ins Spiel gebrachte Begriff der change agents für eine zukunftsfähige Entwicklung macht wohl nur Sinn, wenn er für alle gilt und nicht für Vorbilder oder Motivatoren reserviert ist.Wissen führt i.d.R. nicht zu dem im Erkenntnisprozess als notwendig ausgemachten Verhalten – eine heute gut belegte Binsenweisheit. Lebensstile haben sich bei vielen von uns durchaus in Richtung Nachhaltigkeit verändert. Die zukunftsfähigen Erträge werden aber durch Inkonsequenz, wachsenden Konsumdruck, nicht nachvollziehbare Produktions- und Handelsstrategien, rebound Effekte u.v.m. nur allzu oft zunichte gemacht. „Wenn alle sich daran hielten, dann würde ich auch …„ weniger Fleisch essen, weniger fliegen, bewusster einkaufen … Kognitive Akzeptanz braucht die Trendverstärkung. Politik ist zu Änderungen bereit, wenn eine Akzeptanzschwelle überschritten wird – aber wie?