Category Archives: 05-Gesellschaftliche Resilienz

5. Von der Instabilität risikoreicher komplexer Systeme zu gesellschaftlicher Resilienz?

Komplexe, hochbeschleunigte Systeme sind auf kurzfristiges Wachstum ausgerichtet, risikoreich und höchst instabil. Sie können, wie im Extremfall der Immobilien- und Bankenkrise ab 2007, weitreichende Auswirkungen haben, agieren oft von der volkswirtschaftlichen Logik realer Märkte losgelöst, sind weniger reguliert und zeigen die höchsten Beschleunigungsraten. So platziert der automatisierte Handel von Wertpapieren Angebote und sucht sich Käufer im Millisekundentakt (flash trading).

Staatliche bzw. überstaatliche Kontrollmechanismen, wie sie noch unmittelbar nach dem Börsencrash von vielen Regierungen gefordert wurden, damit auf den Finanzmärkten sich nicht wiederholt, dass wenige Akteure die Existenz vieler Menschen gefährden, scheinen in kurzfristigen Strategien der Geldmarktpolitik und immer neuen politischen Herausforderungen unterzugehen.

Ob Akteure des Social Banking, die sich der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen, sowie eine „Demokratisierung“ web-gesteuerten Privatbankings von Anlegern, die ihre Geldgeschäfte lieber selbst in die Hand nehmen, Veränderungen in den exklusiven Finanzmarktstrukturen auslösen, erscheint wenig wahrscheinlich, zumal an den globalen Finanzmärkten private und staatliche Akteure eng miteinander verflochten sind. Diese komplexen Verflechtungen reichen tief in die reale Wirtschaft hinein und entziehen sich Kontrollen, die dem Risiko der Geschäfte angemessen wären.

Wie verwundbar oder resilient komplexe Systeme sind, lässt sich nur schwer sagen. Faktoren, die die Widerstandskraft gesellschaftlicher Systeme stärken, sind dagegen bekannt: Transparenz, Entschleunigung, Partizipation, Suffizienz, gehören i.d.R. dazu. Eine Gesellschaft, die in Sicherheit einen hohen Wert sieht, sollte dafür aufgeschlossen sein.

Sich in BNE und Globalem Lernen diesem Ungeheuer der Globalisierung zu stellen, wird vielen als Überforderung erscheinen und den Aufbau neuer Netzwerke notwendig machen.

Meinung gefragt!

Viele Akteure sprechen mit Blick auf das Ende der großen UN-Programme (Millennium Entwicklungsziele, Bildung für alle, Bildung für nachhaltige Entwicklung) und die Neuorientierung des Rio-Prozesses von der Großen Transformation – notwendig ohne Zweifel, aber wie? Durch Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bzw. Globales Lernen?

Eure Meinung zu den 12 Fragen (oder einzelnen) des Verbands Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen – VENRO e.V. ist gefragt. Sie werden vom World University Service (WUS) gesammelt und gehen in den weltweiten Post-2014/15 Prozess ein.

Jörg-Robert Schreiber
VENRO-Vertreter im Nationalkomitee der UN-Dekade BNE

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12 Fragen und Herausforderungen an BNE und Globales Lernen im Rahmen einer notwendigen gesellschaftlichen Transformation

  1. Wie kann die zentrale Kompetenz des Perspektivenwechsels gestärkt werden?
  2. Wie kann die Akzeptanz für zukunftsfähige Veränderungsprozesse in der eigenen Gesellschaft erhöht werden – Lehrende und Lernende als „change agents“?
  3. Ist die Idee der Nachhaltigkeit bereits zu einer Illusion geworden?
  4. Von der Wachstumsideologie zu inklusiver Wirtschaft und menschwürdiger Arbeit?
  5. Von der Instabilität risikoreicher komplexer Systeme zur gesellschaftlichen Resilienz?
  6. Friedenspädagogik als Lernprozess gegen Krieg, Terrorismus, Gewalt, Rassismus und Flucht?
  7. Globales Lernen/BNE ohne Bildung für alle? – Bildung für alle ohne Globales Lernen/BNE?
  8. Wie kommen wir zu einem nachhaltigen Nutzerverhalten in den globalen Netzwerken des Internets?
  9. Sind unsere Kompassnadeln von interkulturell auf transkulturell neu zu justieren?
  10. Wie bringen wir uns politisch wirkungsvoller ein?
  11. Globales Lernen als transformatives Konzept in lokalen Bildungslandschaften?
  12. Global Citizenship – sind wir schon auf dem Weg?