11. Globales Lernen als transformatives Konzept in lokalen Bildungslandschaften?

Globales Lernen hat stets den Fokus auf lokal-globale Wechselwirkungen gerichtet und ist dabei im Unterschied zur Umweltbildung und zum Interkulturellen Lernen eher in die Ferne geschweift. Wenn BNE und Globales Lernen den globalen Wandel aufgreifen, muss zur Kenntnis genommen werden, dass Globalisierung auch dazu führt, dass sich Globalität mit seinen Chancen und Risiken zunehmend im Nahraum entfaltet.

Reaktionen darauf zeigen sich zum Beispiel in der Entstehung neuer Netzwerke, die mit dem Begriff „Bildungslandschaft“ eine Metapher wählen, die die wechselseitige Abhängigkeit und das Zusammenwirken von Bildungsakteuren in einem begrenzten Raum und häufig für ein zeitlich begrenztes Vorhaben beschreibt. Ebenso organisch und oft unausgesprochen erscheint dabei die Ausrichtung der vielfältigen Akteure der Stadteilentwicklung und des Sozialraummanagements, der Bildungseinrichtungen und kommunalen Ämter, sozialen und kulturellen Einrichtungen sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen aller Art auf ein Leitbild nachhaltiger Entwicklung. Gemeinsame Grundlage ist i.d.R. auch ein progressives Bildungsverständnis, das Lernen als möglichst selbstgesteuerten Prozess versteht und einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, der davon ausgeht, dass Kinder und Jugendliche nicht ausschließlich durch formale Lernprozesse in Bildungs- oder Ausbildungseinrichtungen Kompetenzen erwerben.

Bildungslandschaften weisen Ähnlichkeiten mit bereits länger bestehenden Netzwerken und kommunalen Handlungskonzepten einer Lokalen Agenda 21 auf, unterscheiden sich aber in ihrer Genese und haben ein nur in Teilbereichen identisches Akteursspektrum. Impulse für solche Vernetzungen gibt es durch einen Trend zu Ganztagsschulen und die damit verbundene Neustrukturierung von außerunterrichtlichen Angeboten sowie durch den gesellschaftlichen Druck, bei größeren Bauvorhaben und Entwicklungsprojekten mehr Beteiligung zu ermöglichen. Neue Steuerungsmodelle haben dabei zum Ziel, Hindernisse des Ressort- und Zuständigkeitsdenkens zu überwinden.

Vorrangig geht es darum, Ungleichheiten in der Verteilung von Bildungschancen zu reduzieren sowie Inklusion und lebenslanges Lernen zu ermöglichen. Darüber hinaus bieten sich Kooperationsmöglichkeiten mit nahezu allen Initiativen nachhaltiger Entwicklung – von nachhaltigen Bauweisen und Beschaffungsmaßnahmen, gesunder ökologischer Ernährung mit Produkten aus der Region, nachhaltigen Schülerfirmen, dem Verkauf fair gehandelter Produkte und Projekten mit Partnerstädten bis zu internationalen Kulturkooperationen. Das Positionspapier des Nationalkomitees für die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung „Zukunftsstrategie BNE 2015+“ macht die Unterstützung von Bildungslandschaften zu einem ihrer Schwerpunkte.

Hier besteht eine Erkundungsaufgabe für Organisationen des Globalen Lernens/der BNE, ob und wie man sich an diesen Strukturen aktiv beteiligen kann.