1. Wie kann die zentrale Kompetenz des Perspektivenwechsels gestärkt werden?

Der Feststellung von Wettstädt und Asbrand (2013), „dass die Fähigkeit unterschiedliche Perspektiven einzunehmen oder zu berücksichtigen in Anbetracht der weltweiten Vernetzung eine zentrale Kompetenz ist“[1] werden sich nicht nur viele anschließen, sondern sogar die Behauptung wagen, dass es die zentrale Kompetenz im Globalen Lernen ist.

Wettstädt und Asbrand gehen in ihrer Untersuchung der Frage nach, in welcher Weise Lernarrangements Perspektivenübernahme und Perspektivenkoordination begünstigen. Neben empirischen Forschungsergebnissen werden viele Akteure des Globalen Lernens auch die alltagspraktischen Erfahrungen interessieren. Wie gelingt es uns selbst uns als Lehrende/Lernende (change agents) in die Rolle des Moderators eigener und fremder Perspektiven zu bringen?

Dass Offenheit für unterschiedliche Perspektiven und die Fähigkeit zu ergebnisoffenen Diskursen, Dialogen und Verhandlungen weit über Bildungsveranstaltungen hinaus von großer Bedeutung sind, wird an der langen Reihe ergebnisarmer Weltkonferenzen und politischer Auseinandersetzungen auf allen Ebenen sowie in zivilgesellschaftlichen Beteiligungsprozessen deutlich. Sie scheitern häufig nicht nur an mangelhaftem Management, sondern mindestens ebenso oft an fehlender Bereitschaft, vielleicht auch Übung, sich in die Personen, mit denen man spricht, in ihre Positionen und ihre Lage hineinzuversetzen. Es geht dabei nicht nur um pragmatische Verständigung und einen zielführenden Kompromiss auf kurzem Wege, sondern – weniger zweckgebunden – darum, Andere und Neues wahrzunehmen und besser kennen zu lernen.

Solche Lernfelder bieten sich täglich. Veränderte Prioritäten werden nicht nur durch Entscheidungsmacht und Druck sondern auch durch die Wahrnehmung und Übernahme neuer Perspektiven gesetzt. Deshalb braucht eine Post-2015 Agenda allem voran eine Stärkung dieser Kompetenz. Das UN-High-Level Panel spricht in seinen Leitideen für eine Globale Entwicklungsagenda von „einer Globalen Partnerschaft, die von dem Bewusstsein geprägt ist, dass eine langfristige Sicherung von Wohlstand nur möglich ist, wenn auch die Zukunftsperspektiven anderer Länder – das globale Gemeinwohl – berücksichtigt werden.“[2] Schöne Worte – aber deshalb nicht falsch.

 

[1] Unterricht im Lernbereich Globale Entwicklung – Perspektivität als Herausforderung; in: Riegel, U. /Macha, K. (Hrsg.): Videobasierte Kompetenzforschung. Münster: Waxmann

[2]http://www.post2015hlp.org/